September 2008
Editorial
Zum Auftakt der Modellbau-Saison:



Von Mäusen und...

...Stellwerken.

Nicht jeder Transport ist so schnell und einfach gemacht wie derjenige der persönlichen Utensilien die grade mal in einem Rucksack Platz finden. Keine 10 Tage Zeit blieben, um nach der Benachrichtigung durch die Zentralbahn den Abbau und den Transport eines ganzen Stellwerks zu organisieren. Der Lieferwagen war schnell beschafft, doch dann begann die Suche nach den Helfern... schliesslich konnte ich auf die Bärenkräfte eines zu Besuche weilenden Freundes zählen, doch Standort für das Stellwerk war noch keiner gefunden. Als Zwischenlösung wurde dann die heimische Garage bemüht, welche mit Ach und Krach noch ein bisschen Platz bot für das gewichtige Teil.
Mit tatkräftiger Hilfe von Max (Bild) und Philippe war das Stellwerk schon bald von seinen ehemaligen Lebensadern entbunden, dann wurde es per Schienenhebewinde angehoben, auf Rollen montiert - und schliesslich ganz simpel aus dem Dienstgebäude herausgerollt.

Nach 3-stündigen Abbau- und Verladearbeiten war das Stellwerk von Käppeli OW dann im Lieferwagen festgezurrt und bereit zur Fahrt in eine neue Heimat.

Die Stufe beim Gebäudeeingang wurde genauso überwunden wie auch der Ein- und Auslad beim Lieferwagen: eine Rampe aus Schalungsbrettern und starken Holzklötzen wurde jeweils "fliegend" aufgebaut, mit Nägeln und SpanSet einigermassen "gesichert", und dann wurde das Stellwerk mit vereinten Kräften hoch- bzw. runtergerollt
Das Kestenholz Truckcenter Basel steuerte (gegen reguläres Entgelt natürlich) den passenden Transporter bei: K wie Käppeli? Jedenfalls brauchten wir dank Hochdachversion das Stellwerk nicht zusätzlich zu zerlegen.

Für unser leibliches Wohl an diesem Tage sorgte natürlich das Hotel-Restaurant Bahnhof in Giswil. mmh!

Nach Ankunft in der Garage auf der Alp in Basel wurde das Stellwerk per hydraulischem Heber angehoben und auf Holzklötze gestellt. Sonst wären die Vollgummilaufflächen der Rollen innert kürzester Zeit plattgedrückt worden.


Was man denn mit einem echten Stellwerk tun will, das erstens mannshoch und zweitens ungefähr 350 kg schwer ist? Nun - wenn sich mal die Möglichkeit bietet, das Stellwerk zur Steuerung einer Ausweichstation auf der Modellbahn zu verwenden und somit auf eine Art und Weise "betriebsfähig" zu erhalten, so hat das Stellwerk eine Zukunft vor sich die sicher schöner ist als der Schrotthändler oder ein staubiges Museumsdasein, wo nach jahrelanger "Spielerei" an den zahlreichen Knöpfen alles fehlt was nicht festgeschweisst ist. Eine Herausforderung ist es sicher, eine "Schnittstelle" zu konzipieren, die ein Originalstellwerk mit einer Modellbahn verbindet. Doch dass dies möglich ist, das zeigt nicht zuletzt die SBB-Ausbildungsanlage Löwenberg. Als Vorarbeiten dazu wird das Stellwerk in der nächsten Zeit erst mal gründlich gereinigt (vor allem innen), und es wird eine neue Stromversorgung mit der funktionellen Schnittstelle zur Modellbahn eingebaut. Allzu schiwerig kann dies nicht sein, wenn man die "wenigen" Kabel betrachtet, die effektiv das Stellwerk mit seiner Umgebung verbanden.... (sofern man die geheim verschlüsselten Schemata von 1949 noch interpretieren kann).

Auch dieses Jahr klappt es, dass Jürg und ich die Schynige Platte-Bahn an einer Publikumsmesse vorführen können. Diesmal fahren wir nach Köln an die Modellbahnmesse (6. bis 9. November 2008). Dies ist natürlich ein grosser Grund zur Freude, sah unsere Modellbahn doch seit der letzten Ausstellung keinen einzigen Tag Fahrbetrieb. Ausserdem können wir dann die fertige Anlage zum ersten mal in Deutschland vorführen. Damit auch diesmal wieder etwas Neues präsentiert werden kann, wird hinter den Kulissen fleissig gearbeitet. Dieses Jahr gibt es zwar keine neue Lok, aber es befinden sich zwei neue Personenwagen für die Schynige Platte-Bahn in meiner Werkstatt in Bau. Die zwei dienstältesten Loks 12 und 19 erhalten anlässlich des kommenden Grosseinsatzes eine Getrieberevision. Es mag genauen Beobachtern aufgefallen sein, dass beispielsweise Lok 12 an der letzten Ausstellung in Bauma wegen  Getriebeschwäche permanent auf dem Abstellgleis stand.

Diesmal wollen wir erneut die Gelegenheit bieten, Livebilder aus dem Zugführerabteil zu geniessen. Der Kamerawagen (zwar immer noch ohne Standbild) wird auch in Köln wieder unterwegs sein und Bilder aus der Mäuseperspektive übermitteln.

Die kommenden Herbst- und Winternächte gehören wie immer nur teilweise dem Modellbau - dazu habe ich zu viele andere Interessen und Verpflichtungen, und nicht zu vergessen - einen ca. 120 %-Job. Die Kreativität kommt jedoch nicht zu kurz! So lasst Euch überraschen, was alles an verschiedenen Projekten aus meiner Werkstatt kommen wird...

Mit herzlichen Grüssen, euer
Aernschd.
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© 2008 Ernst Furrer, Seite geändert am 3.9.2008