Baustufe 5 - Lackierung und Finish

Sämtliche erforderlichen Farben und Mischungen sind auf Blatt 3 der Bauanleitung ersichtlich. Hier noch die verwendeten Abkürzungen, die auf dem Bauplan keinen Platz mehr fanden:

TE = Terpentinersatz, white spirit
Tol = Toluol
H = Humbrol
R = Revell
F = Floquil
MM = Model Masters / Testors
 

Sandstrahlen:

Ich empfehle, dass das Dach sandgestrahlt wird. Dazu dient Aluminiumoxyd (auch als Edelkorund im Handel) mit Körnung 220. Für einen Rolls-Royce-Finish kann danach noch mit Glasperlen gleicher Körnung nachpoliert werden. Falls Sandstrahlen nicht möglich sein sollte, dann empfehle ich, dass das Dach mindestens mal mit geruchsfreiem Petrol entfettet und eventuell mit einem feinen Haftgrund dünnschichtig grundiert wird. Bei der Wahl einer Grundierfarbe muss Rücksicht auf das PS-Innendach genommen werden, welches allergisch auf Nitroverdünner, Toluol o.ä. reagieren könnte. Diese Arbeiten werden zuerst ausgeführt.

Vorversuche:

Da die Verdünnung der Farbmischungen stets vom Wetter abhängt, sind immer Spritzversuche auf gleichem Material durchzuführen, und zwar unmittelbar vor der eigentlichen Spritzaufgabe. Grundregeln: 1) so dickflüssig spritzen wie möglich, aber dabei so dünnflüssig spritzen wie nötig. 2) trockenes und/oder warmes Wetter => Farben mehr verdünnen. 3) Wenn mit nicht-deckenden Verdünnungen gearbeitet werden muss, dann müssen zwei bis drei sehr dünne Farbschichten nacheinander mit kurzen Antrocknungspausen aufgespritzt werden.

Wir beginnen mit dem Untergestell, da dessen Farbe die längste Trockenzeit erfordert. Die Farbe wird zuerst unten, dann oben allseitig aufgespritzt. Wir legen das UG zur Seite um es mindestens zwei Tage lang trocknen zu lassen, bevor wir es beschriften dürfen.
Nun wird die Kastenfarbe gemischt. Wir montieren den Kasten an einem selbstgemachten Halter aus einem starken PS-Profil. Man sollte den Kasten lieber nicht vorbehandeln. Es reicht, wenn wir die Beschriftungstafeln unmittelbar vor dem Spritzen mit Alkohol entfetten. Der Kasten wird zuerst innen, dann aussen gleichmässig mit Oxydrot eingenebelt und zum Trocknen zur Seite gelegt. Kein Finger darf in diesem Zustand in Berührung mit dem Kasten kommen!

Damit wir an den beiden Beschriftungstafeln später schön saubere Flächen "zum Aufkleben" erhalten, ritzen wir nach dem Spritzen des Kastens dessen Umrisse nach Bauplan ganz fein und sorgfältig in die Tafeln ein. Alternative: die Flächen "zum Aufkleben" jetzt mit Hilfe von Maskierfolie aufspritzen.

Mit derselben Farbe werden die ganze Dach-Unterseite (nicht abgebildet) und die Dachstützen gespritzt. Eine Abdeckung ist dabei nicht erforderlich. Wir heben den Farbrest für spätere Retouchen auf.

Nun wird die Farbe für die Türen gemischt. Ich verwende dazu Floquilfarben, da sie sehr feinkörnig sind. Für beste Resultate sollte man die Farbe mit toluolhaltigem Verdünner verdünnen. Die Türen werden zuerst innen, dann nach kurzer Antrocknungszeit aussen gespritzt.

Wir mischen die Dachfarbe. Auch hier wird mit reinem Toluol verdünnt. Wenn wir das Dach flach auf eine Unterlage legen und dabei vorsichtig mit wenig Druck spritzen, dann ist keine Abdeckung der Unterseite erforderlich. Wir müssen die Ränder des Innendaches später sowieso noch mit dem Pinsel retouchieren. Der Rest der Dachfarbe wird aufgehoben!

Zum Beschriften warten wir beim Kasten mindestens einen Tag, beim UG je nach Trockenzeit einen Tag länger. Die Beschriftungen von Identico sind extrem fein und sauber zu verarbeiten. Das Resultat ist fotorealistisch. Die zu beschriftenden Flächen und Abreibebögen dürfen niemals mit den Fingern in Kontakt kommen! Wir schneiden mit der Schere die erforderlichen Partien mit wenig Zugabe aus dem Schriftenbogen heraus, legen sie mit Hilfe einer spitzen Pinzette an die richtige Stelle und richten sie mittels einer zweiten Pinzette präzise aus. Sanfter Druck auf eine leere Stelle im Trägerfilm fixiert den Schriftenfilm an seiner Position. Nun wird die Schrift mittels sanftem Rubbeln mit dem stumpfen 0.5mm-Druckbleistift auf den Wagen transferiert. Die Trägerfolie wird sehr vorsichtig von der einen Ecke zur gegenüberliegenden Ecke abgelöst. Der Druckbleistift hilft dabei mit sanftem Rubbeln bei der Ablösestelle.
Die Schriften im Rahmen des Untergestells werden in gleicher Art und Weise angebracht. Hier müssen die Schriften nach oben und unten viel knapper aus dem Trägerfilm ausgeschnitten werden, so dass der Trägerfilm im Rahmen drin Platz findet. Ein leichter Überstand mit einem Knick auf einer Seite des Trägerfilms hilft, denselben später leichter zu entfernen. Auch das Untergestell sollte mindestens über den Beschriftungen klarlackiert werden. Besser ist es, das ganze Untergestell mit einer gleichmässig feinen Lackschicht zu versehen.
Jetzt kann das Dach auf den Kasten montiert werden. Hier nochmals gut aufpassen dass nichts verdreht wird. Das Dach wird gerichtet, festgehalten und von innen her mit Sekundenkleber an allen Verbindungsfugen mit dem Kasten verklebt. Korrekturen sind in diesem Zustand nicht mehr möglich, ohne die Lackierung bzw. die Teile zu ruinieren. Wer hier Fehler macht, der wird viel lernen.
Wir können nun die kleinen Dachstützen mit etwas Sekundenkleber anbringen. Danach werden Regenrinnen und Deckleisten mit der aufgesparten Dachfarbe bemalt. Mit Kastenfarbe werden nun noch die letzten Retouchen an Innendach, Türschienen, Klebestellen der Dachstützen und an eventuellen sonstigen Stellen angebracht. Die "zum Aufkleben"-Flächen werden ebenfalls spätestens jetzt in der korrekten Farbe angebracht. Die fein eingeritzten Linien wirken als Begrenzung der Farbfläche. Nach genügend Trockenzeit aller Teile sind wir bereit für den Klarlack. 
Die Klarlackmischung wird aus frischem Lack und TE zubereitet. Wir müssen sicherstellen, dass der Mattlack keine Klümpchen enthält. Zuerst klarlackieren wird die Innenseiten der Türen, danach den Kasten, und zuletzt noch die Aussenseiten der Türen.

Besondere Aufmerksamkeit beim Lackieren gilt den Lüfterfenstern. Gerne bleiben die Ränder im Windschatten etwas zu matt. Wir verwenden minimalen Luftdruck und spritzen die Lüfterfenster aus grösserem Abstand.

Die Radsätze werden wieder eingeklipst. Wer will, der kann deren sichtbare Radflächen ebenfalls in der UG-Farbe bemalen. Am UG müssen noch ein paar kleine Farbtupfer angebracht werden: dies sind Schläuche, Hahnen, Trittbretter. Die Bezeichnungstafeln der beiden Brems-Absperrhahnen entstehen aus zwei winzigen Stückchen von PS 0.25x0.50, die mit einem Hauch von Sekundenkleber direkt unter den Längsträger geklebt werden. Wer will, der kann diese zwei Täfelchen beschriften. Dazu ist eine Zeichenhöhe von ca. 50mm erforderlich.
Jetzt kann der Wagen endmontiert werden. Wenn das UG beim Einsetzen in den Kasten klemmen will, dann schaben wir etwas Farbe/Lack  rund um die Bodenplatte ab, ohne dabei die Seitenstreben zu malträtieren. Wenn alles passt (die beiden senkrechten Geländerstangen nicht vergessen einzufahren!), dann wird zugeschraubt. Die Türen werden wieder auf die vorgängig beschriebene Art eingesetzt, ausser dass man den Türstopper mit wenig Silikonpapier (Backpapier oder Schutzfolie der Beschriftungen!) vor Kratzern schützen sollte. Mittels Geodreieck kontrollieren wir auf flacher Unterlage, ob der Wagen schön gerade steht. Ansonsten muss das UG nochmals ausgebaut werden und die Position mühsam durch Abschleifen oder Unterlegen der Schraubenplatten angepasst werden... Wir bringen noch die Begleitpapierhalter an, die wir entweder kaufen (H-R-F Nr. 1351) oder selber fabrizieren.

Ach ja. Finish, wer will (ich schon!): folgende Prozedur ist für anständige, mittlere Betriebsspuren zu empfehlen:

- Dach, UG, untere Kastenhälfte: ein feiner Spray von stark verdünntem F "Rust" und F "SBB Chassis gray" ca. 3:1

- Lager, Handbremsmechanik: verdünntes Polly Scale "Oily black"

- Bremsklötze: je nach deren "Alter" verdünntes Polly Scale "Rust" oder "Boxcar red". Verdünntes H 186 wirkt auch toll.

- Türstopper: eine Schliere aus verdünntem schwarzgrau nach unten... (wichtig und sehr typisch, siehe Fotos!)

- wer die Holzbohlen der Plattform gehörig vermodern will, der richte sich nach den Weisungen in der Anleitung für die Niederbordwagen im Archiv.

und dann: Jungfernfahrt auf der Anlage, sofern so eine gerade verfügbar ist. Sich sonst mit dem Clubtisch o.ä. behelfen. Einweihungsfeier. Neidische Blicke der Kollegen...

Fertig!

   

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© 2005 Ernst Furrer, letzte Änderung 27.06.2005