September 2005

Im schwedischen Eisenbahnmuseum Gävle
(sorry, no english version available)

Am vergangenen Sonntag, 11. September 2005, machte ich einen Ausflug nach Gävle ins schwedische Eisenbahnmuesum. Natürlich fuhr ich per Bahn dorthin, liegt Gävle doch nur anderthalb Zugstunden nördlich von Stockholm. Das Museum ist eigentlich schon sehr alt, doch es ist noch nicht soo lange in Gävle beheimatet. Am südlichen Ende des Bahnhofes wurde das komplette ehemalige BW mit zwei Ringlokschuppen zu einer Ausstellung und zu einem Depot für betriebsfähige historische Loks hergerichtet. Auch wenn man die Ausstellung innert drei Stunden komplett gesehen hat, sind die Exponate sehr interessant. Leider arbeitet sonntags kaum jemand in Schweden, und somit  hatte sogar das Museumscafé geschlossen. Mein Museumsbesuch musste somit kurz vor dem Verhungern zwangsmässig enden.

Nun aber zum Bildbericht! Beginnen wir mit den ersten Gehversuchen feuerspeiender Ungeheuer auf Schienen und enden unseren Rundgang auf dem Freigelände...
Die erste Dampflok der Welt wurde 1804 von Richard Trevithick in England gebaut, und: sie war eine Zahnradlok! Leider existiert kein Original mehr, doch hier sehen wir immerhin ein Modell davon. Die älteste erhaltene Dampflok Schwedens ist die "Fryckstad". Sie ist eine Schmalspurlok und hatte für ihr frühes Baujahr bemerkenswerterweise alle drei Achsen angetrieben.
Dies war einst ein königlicher Salonwagen, doch der König hat dieses kutschenartige Gefährt nur einmal benutzt. Vermutlich wurde ihm bei der holprigen Fahrt etwas plömerant... Die schwedischen Eisenbahngesellschaften importierten zunächst grössere Serien von Dampfloks aus englischer Produktion, da die einheimische Industrie nicht auf dem Stand der Technik war. Hier sehen wir die Triebachse einer dieser Loks.
Diese Dampflok besitzt einen Satteltank für das Wasser. Die Abwärme des Kessels hilft, das Speisewasser vorzuwärmen. Diese Bauart wurde vor allem in England und teils in Frankreich angewandt. Die erste Ellok Schwedens stammt aus dem Hause AEG und diente fast 100 Jahre lang bei verschiedenen Schmalspurbähnchen im Lande.
Schienenvelos in Schweden haben Schneeräumer! Ein kompletter Jugendstil-Zeitungskiosk aus dem Bahnhof Göteborg.
Ein Detail eines königlichen Audienzwagens der nächsten Generation. Das Fahrzeug erscheint und um einiges gediegener und einladender. Der Modellbau des Wagens wäre eine Herausforderung für Feinmechaniker... Sämtliche Wände sind nämlich mit komplizierter Ornamentik in Guss, Schmiedewerk und Blattgold ausgeschmückt.
Ein heutzutage nicht mehr salonfähiges Fabrikschild einer alten Ellok der schwedischen Staatsbahn. Ab ins Aussengelände... hier sehen wir eine sehr imposante Diesellok der Staatsbahn.
An diesem "Oelfass" lassen sich interessante Verwitterungsstudien betreiben. Und hier haben wir die schwedischen Version der Ee 3/3. Naja, beinahe.
Eine schwedische "S 3/6", welche noch auf bessere Zeiten wartet. Ein typisch schwedischer Rungenwagen in Originalzustand, angetroffen im historischen Güterzug.
Ein frisch revidierter Kesselwagen noch ohne Anschriften, aus der Waggonfabrik Gotha, Deutschland stammend. Und hier ist noch die kleine elektrische Rundnase aus dem Hause NOHAB.

Leider konnte ich bei weitem nicht alle interessanten historischen Dampfloks und Elloks fotografieren, denn naturgemäss sind die Platzverhältnisse in einem Ringlokschuppen sehr beengt. Alles in allem kann ich sagen: das Muesum ist absolut sehenswert und bietet eine einmalige Fahrzeugsammlung. Von vielen Loks gibt es präzise Modelle im Massstab 1:10, welche in den 1930er-Jahren von der SJ-Werkstätte angefertigt worden sind. Diese Modelle wurden exakt nach den Originalplänen erbaut und sind bei vielen Loks die einzige noch vorhendene Referenz. Bei der Präsentation und "Besucherfreundlichkeit" des Museums gäbe es jedoch noch riesiges Potential. Da das Muesum jedoch der Staatsbahn gehört, ist anzunehmen, dass beim Budget keine grossen Sprünge zu machen sind. Auch finden sich in Schweden keine Sponsoren für solche Museen. Alles Sponsoring fliesst hier in "Kultur" und Sport...

Da ich diesen Bericht schreiben konnte, ist anzunehmen dass ich doch nicht verhungert bin an jenem Sonntag. Tatsächlich hatte das Bahnhöfbuffet in Gävle offen und erwies sich als sehr gute Wahl für ein gutes, spätes Mittagessen. Ausnahmsweise mal keine Salzkartoffeln mit Fisch und Dillsauce...

herzlichst, Euer
Ernst Furrer

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© 2005 Ernst Furrer, letzte Änderung 18.9.2005